

Migration & Flucht
Das Thema Migration und Flucht wurde in den letzten Jahren stark emotional aufgeladen und ist heute ein typisches Beispiel für populistische Sündenbock-Rhetorik.
Viele Argumente dazu klingen auf den ersten Blick plausibel oder logisch, doch wir wollen sie genauer betrachten und einordnen, um Missverständnisse und falsche Schlussfolgerungen aufzulösen.
Populistische Narrative zerlegen
"Kultur macht kriminell"?
👉 Gewalt existiert weltweit, in jeder Herkunft - also kann eine bestimmte Kultur oder Herkunft schlecht der entscheidende Faktor sein.
Betrachten wir das Thema einmal anders: Wie entsteht z.B. deutsche Gewalt? Sicherlich nicht "aus dem Nichts".
Aggression entsteht in erster Linie durch starkem Frust aus sozialen Problemen wie Ausgrenzung, Chancen- und Perspektivlosigkeit, uvm. Randgruppen sind diesen Bedingungen häufiger ausgesetzt.
-> erklärt die statistischen Unterschiede
➡️ Ursachen bekämpfen, statt Sündenböcke suchen. Und Täter schnell & konsequent bestrafen, nicht Unschuldige nur wegen einer zufälligen Nationalität.
❗Pauschale Verdächtigungen sind nicht nur ungerecht und sinnlos, sondern verstärken sogar Probleme wie Ausgrenzung, Diskriminierung und Isolation – also genau die Faktoren die Gewalt begünstigen.
💡Beispiel: Geflüchtete
Menschen die auf der Flucht waren werden häufig jahrelang in Massenunterkünften, ewig ohne Arbeitserlaubnis oder Bildungszugang, gesellschaftlich abgelehnt und perspektivlos "geparkt" - das bedient genau die genannten kriminogene Faktoren.
Ukrainer im Vergleich sind weniger betroffen, denn sie haben mehr finanzielle Sicherheit (Bürgergeld statt AsylbLG), bekommen als Europäer Abschlüsse leichter anerkannt und erleben aus demselben Grund weniger gesellschaftliche Ablehnung/Vorurteile, usw.
Die Rolle von Kultur und Sozialisation
🧠 Wir haben bereits festgestellt, dass Kultur nicht der entscheidende Faktor für Kriminalität ist. Oft wird sie jedoch von rechtsextremen Akteuren missbraucht, um „Fremde“ pauschal als Bedrohung propagandieren zu können - ein Narrativ das Hass fördern und später Gewalt gegen sie legitimieren soll (z.B. durch "entmenschlichende Rhetorik").
Populistische, nicht-rechtsextreme Akteure nutzen es zur schnellen Wählergewinnung durch einfache Antworten auf komplexe Probleme sowie Ablenkung von sozialen Ungleichheiten & Lobbyismus (mehr dazu im letzten Kapitel hier sowie im Thema "Armut").
❗Trotzdem können und sollten patriarchale Strukturen und traditionelle Rollenbilder in Kulturen natürlich kritisch hinterfragt werden.
↪️ Allerdings führt Kultur im Gegensatz zu stark belastenden Lebensbedingungen nicht zu Frustrationen und aggressiven Gefühlen bzw. Aggression - sonst wären alle Menschen einer Kultur auch gewalttätig und in anderen gar keine.
Hinzu kommt, dass wir individuelle Persönlichkeiten mit zahlreichen Facetten sind (Interessen, Eigenschaften, Charaktermerkmalen, eigene Überzeugungen, usw.) und selbst Kultur ist dynamisch sowie Sozialisation ein lebenslanger Prozess.
"Die nehmen uns alles weg"?
👉 Geflüchtete (außer Ukrainer) bekommen nicht mal Bürgergeld, sondern nur deutlich niedrigere Leistungen nach Asylbewerberleistungsgesetz (§§2-3a AsylbLG) , also Unterkunft, Sachleistungen und ein geringes Taschengeld.
"Illegale" Migranten wiederum bekommen gar keine Leistungen - wie denn auch, sie sind ja nicht registriert (mehr dazu im Kapitel "Armut")
💡Krisen wie die Wohnungs- und Gesundheitswesenkrise existieren bereits seit Jahrzehnten und verschärfen sich wegen vielschichtiger, struktureller Defizite:
Die Wohnungskrise 🏡 resultiert v.a. aus zu wenig sozialem Neubau, hohen Baukosten, Bürokratie, bewusst leer stehenden Wohnungen für Preisspekulationen und zu niedrigen Zinsen in der Vergangenheit. Problem ist also nicht Wohnraum an sich, sondern der Mangel an bezahlbarem (!) Wohnraum.
Und diesen kann dir ein Geflüchteter – schon rein finanziell betrachtet – nicht „wegnehmen“.
In der Gesundheitssystemkrise 🏥 sind Unterfinanzierung, Fachkräftemangel, Privatisierung und damit einhergehend steigende Kosten die Probleme.
Warum Migration oft populistisch ausgeschlachtet wird
🅰️) Populismus bietet einfache Lösungen auf komplexe Probleme.
Das bringt schnell Wählerstimmen. Viele setzen sich nicht so intensiv mit solchen Themen auseinander.
und/oder
🅱️) im Falle rechtsextremer Ideologie dient es als Vorwand um rassistische Narrative zu verbreiten, Minderheiten zu entrechten und Schritt für Schritt Massendeportationen von als "nicht zugehörig" betrachteten Menschen sowie Gewalt diesen gegenüber zu legitimieren.
ABER:
Neben dem offensichtlich Menschlichen: Migration ist notwendig. Auch wenn manche darauf empfindlich reagieren – wir brauchen Arbeitskräfte, und zwar jetzt.
Die Babyboomer-Generation geht nach und nach in Rente, während die jüngeren Jahrgänge deutlich kleiner sind.
Schon heute fehlen in vielen Bereichen – etwa im Sozialwesen, in der Pflege oder im Gesundheitswesen – zahlreiche Fachkräfte. Ohne Zuwanderung droht uns ein massiver Personalmangel und auf Dauer ein gesellschaftlicher Kollaps.
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Entstehung von Gewalt
Gewalt entsteht in erster Linie durch soziale Probleme - denn sie existiert in jeder Herkunft. Bei Deutschen kommt sie ja auch nicht "aus dem Nichts". Fehlende Chancen im System, Ausgrenzung, Perspektiv- und Hoffnungslosigkeit können auf Dauer als starke Belastungen zu psychischen Erkrankungen und/oder starkem Frust und daraus folgender Aggression führen. Wer diese Umstände mehr erlebt, ist also auch stärker in Kriminalstatistiken vertreten. Für Taten ist jedoch nur der Täter verantwortlich und zu bestrafen, für Prävention der Staat. Und diese muss Ursachen behandeln, nicht Unschuldige mit Schuldigen vermischen - denn Unfairness und Ausgrenzung verschärfen erneut.